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Lösen wir uns einfach mal von der Person Eva Herman und von dem, was sie genau gesagt hat. Tatsächlich hatte ich meinen ersten Beitrag geschrieben, bevor ich ihren Artikel und die Diskussion darüber las. Nun, mit der großen Debatte im Hinterkopf, sehe ich noch klarer, in drei Schritten:
Handeln Gottes oder das Ergebnis menschlicher Unvernunft?
Welches Weltbild haben wir? Das ist grundsätzlich wichtig. Nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in den Gemeinden. „Gott spricht - und das ist gut!“ ist das Motto der diesjährigen Allianz-Konferenz. Doch wie redet Gott eigentlich? Nur durch sein Wort oder auch durch Ereignisse?
Ich bin kein Freund von Erfahrungstheologie, nach der das Wort Gottes beiseite geschoben wird und die persönlichen Erlebnisse mit Gott unseren Glauben diktieren. Das Herz ist trügerisch, und nur allzu leicht kann es uns täuschen. Doch hat sich Gott derart zurückgezogen, dass er in unserem Leben nicht mehr handelt und auf unseren Glauben und unseren Lebenswandel nicht mehr antwortet? Lesen wir die Bibel ohne Reflektion über unser Leben?
Die Katastrophe war zu allererst das Ergebnis menschlicher Unvernunft, so idea. War es so? Oder war es zu allererst das Ergebnis von Gottes souveränem Ratschluss? Bestimmen wir unsere Geschichte selbst durch Vernunft und Unvernunft oder führt Gott uns durch die Geschichte?
Für die einen ist Israel damals aus Ägypten geflohen, für die anderen war der Exodus Gottes Tat und Befreiung. Für die einen waren Israels Kriege mit den Philistern, Assyrern und Babyloniern bloße Ereignisse für die Geschichtsbücher, für die anderen waren sie Gottes Antwort auf Israels Apostasie.
Steht es mir zu, über Gottes Handeln zu spekulieren?
Wenn wir nun soweit sind, dass wir sagen können, Gott habe gehandelt – steht es dem Menschen dann zu, sein Handeln zu kommentieren? Haben die Freunde Hiobs nicht denselben Fehler gemacht und spekuliert, obwohl sie Gottes Gedanken gar nicht kannten?
Was genau war damals der Fehler von Hiobs Freunden? Sie argumentierten: Weil Hiob Leid erfahren musste, und weil Leid immer Folge von Sünde ist, musste Hiob gesündigt haben.
Sie kannten das Leben von Hiob nicht und haben ihm Sünde unterstellt, nur weil er Leid erfahren musste. Wenn der Sünde Leid folgt, musste dem Leid Sünde vorangegangen sein, so der falsche Umkehrschluss. Im Fall der Loveparade ist das aber anders. Wir kennen die Sünde der Unmoral in der Gesellschaft, und für diese Sünde wurde eine Parade gefahren.
Auch in den Gemeinden müssen wir vorsichtig sein, bei jedem Leid sofort natürliche Ursachen und Erklärungen zu finden oder eben auf Hiob zu verweisen. Wer in seinem Leid auf Hiob verweist, sollte sein Leben auch mit Hiob vergleichen. Hiob war nie auf einer Loveparade.
"Denn seinesgleichen gibt es nicht auf Erden, einen so untadeligen und rechtschaffenen Mann, der Gott fürchtet und das Böse meidet!" (Hiob 1:8; 2:3)
Wie benennen wir die Katastrophe als Handeln Gottes?
Im letzten Schritt müssen wir nur noch die richtigen Worte finden, und das ist gar nicht so einfach. Sprechen wir von Gericht, ist das vielleicht zu hoch gegriffen. Wahrscheinlich meinen wir eher Verderben oder Züchtigung im biblischen Sinne, mindestens aber sprechen wir vom Reden oder Handeln Gottes.
Und genau das kann für den Leidenden auch Gnade sein. Wie oft hat der Mensch in seinem Leid die größte Gnade erfahren, wurde mitten im Schicksal auf Gott aufmerksam. Es ist unsere Aufgabe, von Gott und seinem Wort zu reden, nicht nur in Gnade sondern auch in der Wahrheit. Den Auserwählten dient am Ende alles zum Guten, das ist die gute Botschaft.
Es werden noch mehr Katastrophen kommen. Den moralischen Verfall im Blick müssten wir uns eher fragen, warum Gott bisher eigentlich noch so gnädig mit uns ist.
"Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben." (Sprüche 14:34)



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Kommentare
Leiden? Wieso?
Ein Artikel zur Einordnung von Leiden findet sich hier: »Leiden? Wieso?«
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Geiers Notizen
Genau
ein wirklich guter Kommentar zu den Geschehnissen! - Super.
Und Jedem der glaubt Gott bei solchen Themen besser Außen vor zu lassen, empfehle ich Amos 3:6b zu lesen: "Geschieht auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht gewirkt hat?"
Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und auch in Ewigkeit!
Guter Kommentar. Es ist in
Guter Kommentar.
Es ist in der Tat sehr diffizil und um nicht wie Hiobs Freunde zu reagieren, (sie hatten auch gute Eigenschaften - man suche einmal Freunde, die 7 Tage lang wegen meines Leides schweigen)
um also nicht wie die 3 Männer zu reagieren, kann man wohl, wie immer, nur persönlich bei sich anfangen.
Ob wir Gottes Handeln kommentieren dürfen...
Wenn wir an unsere Glaubensväter denken, sind sie wohl viel eher einmal aufgestanden, haben diese und jene Dinge in der Gesellschaft gebrandmarkt und aufgezeigt, was Sünde ist. Heute spielt sich dieser Kampf doch fast allein innerhalb christlicher Kreise der Verteidigung der Schrift ab, viel weniger, dass einmal jemand aufsteht und eine unbequeme Wahrheit sagt.
Ja, ich finde schon, dass wir so etwas sagen dürfen und sollen, was der Gesellschaft den Spiegel vorhält.
Ob man das Handeln Gottes, Antwort, Gerichte oder Verderben nennt, scheint mir nicht so sehr entscheidend zu sein.
Wir brauchen nicht bei jedem unserer Reden das Salz herauszunehmen.
Wenn ich ein Problem mit einem Menschen habe, weil ich mich nicht verhalten habe, wie der Bergpredigtmensch, trifft mich ein Gericht Gottes (ein Handeln Gottes), bis ich mich zur Buße gebeugt habe.
Was heißt richten? Doch auf den rechten Weg weisen, einer Sache eine Richtung geben.
Vielleicht denkt man bei dem Wort Gericht zu sehr an den großen, weißen Thron.
Aber letztlich sieht man es doch täglich.
Ist die Verstockung und Kälte der Menschen kein Gericht Gottes?