In einer Gastvorlesung an der größten Universität in Nepal vertrat der Religionssoziologe und Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Thomas Schirrmacher, unter dem Beifall Hunderter, überwiegend hinduistischer Studenten, dass der Begriff Fundamentalismus oft im Westen eingesetzt werde, um Menschen aller Religionen im Globalen Süden pauschal zu verunglimpfen.
Schirrmacher war vom Leiter des ‚Department of Conflict, Peace and Development Studies‘ der ‚Faculty of Humanities and Social Sciences‘ der ‚Tribhuvan University‘, Prof. Dr. Hem Raj Subedee, zum Thema „Fundamentalismus als militanter Wahrheitsanspruch: Wie Religionsfreiheit Fundamentalismus auf dem Weg in eine friedliche Gesellschaft überwindet“ eingeladen worden. Die 1959 gegründete staatliche Universität in einem Vorort der Hauptstadt Kathmandu ist die größte des Landes. Der Premierminister von Nepal ist Kanzler der Universität, der Kultusminister Prokanzler.
Hintergrund der Einladung ist, dass die Verfassung von Nepal erst seit 2007 Religionsfreiheit garantiert – lediglich Proselytismus bleibt verboten –, aber die vorläufige Fassung bis Mitte des Jahres 2011 durch eine endgültige Verfassung ersetzt werden muss.
Zwar sei es richtig, so Schirrmacher, dass religiöser Fundamentalismus eine echte Bedrohung auch im Globalen Süden darstelle, so etwa der hinduistische Fundamentalismus in Nepal, der für die Serie von blutigen Bombenanschlägen auf die erst 1995 erbaute katholische Kathedrale verantwortlich sei, aber man dürfe nicht einfach Fundamentalismus mit jedem Wahrheitsanspruch gleichsetzen, sonst gäbe es auf der Welt mehr Fundamentalisten als Andere. „Ich vertrete“, so Schirrmacher wörtlich, „dass eine Religions- und Weltanschauungsgemeinschaft, die die Religionsfreiheit vertritt, propagiert und in der Praxis respektiert, nicht fundamentalistisch sein kann und nicht so genannt werden sollte!“ Umgekehrt, so Schirrmacher, sollte die Ablehnung der Religionsfreiheit ein klarer Indikator Richtung Fundamentalismus sein, wenn auch nicht der einzige.
Was kann man von einer Religionsgemeinschaft mehr verlangen, als dass sie sich im ‚modernen‘, demokratischen Staat für Religionsfreiheit, damit für die Religionsneutralität des Staates und für die Trennung von Staat und Kirche bzw. religiöser Struktur einsetzt und andere Religionen und Weltanschauungen im politischen Umfeld respektiert?
Zuvor hatte Schirrmacher Erzbischof Anthony Francis Sharma, S.J., Vicar Apostolic, einen Besuch abgestattet. Sharma ist seit 1984 der höchste katholische Würdenträger der römisch-katholischen Kirche in Nepal, seit 2007 im Rang eines Apostolischen Vikars. Viele Jahre feierte Sharma an wechselnden Orten eine verbotene Ostermesse und wurde jedes Mal erst nach Ende des Gottesdienstes verhaftet. Seine Auferstehungs-Kathedrale wurde 1995 als erstes katholisches Gotteshaus im Land gebaut, zuvor gab es seit 1952 nur vereinzelte evangelische Kirchen.
Auf die Kirche wurden mehrfach Bombenanschläge verübt. Zuletzt explodierte am 23. Mai 2009 eine selbstgebastelte, mit scharfen Nägel gefüllte Bombe inmitten von 500 Besuchern der Sonntagsmesse, die drei Teilnehmer tötete und 14 schwer verletzte. Eine kleine Organisation aus dem Umfeld des hinduistischen Fundamentalismus, die ‚National Defence Army‘, bekannte sich durch ein liegen gelassenes Pamphlet vor Ort zu dem Anschlag. Der Attentäter und sein Auftraggeber wurden wenige Wochen später verhaftet, aber bisher nicht in dieser Sache angeklagt, wohl weil sie wegen anderer Verbrechen eine Gefängnisstrafe verbüßen.
Außerdem traf sich Schirrmacher mit dem Leiter der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Without Frontiers in Nepal, Raju Thapa, der ihn in die aktuelle Lage der Menschenrechte in Nepal und seiner kleinen Nachbarländer einführte.
Ein Thema war dabei auch der Stand der Verhandlungen des Obersten Gerichtshof, inwieweit die Kinder- und Menschenrechte der Kumaris – vorpubertären Mädchen, die göttlich verehrt werden, wobei die bedeutendsten nicht zur Schule gehen, sondern immer in einem großen Tempelraum leben – verletzt werden. Schirrmacher hatte zuvor die Verehrung des Mädchens gemeinsam mit Raju Thapa beobachtet. Diese Frage steht im Zusammenhang mit einem internationalen Forschungsprojekt des IIRF, inwieweit Religionsfreiheit durch andere Menschenrechte beschränkt wird.



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Kommentare
Nachtrag - Zeugnis
Man muss sich doch auch einmal vor Augen halten, welche Zeugniskraft es hat wenn ein gut angesehener Bürger sagt: "Ja, ich bin Christ, aber kein Fundamentalist!" Gleichzeitig findet man in den Medien viele Geschichten, die von der breiten Masse eher negativ aufgenommen und dazu mit "christl. Fundamentalismus" betitelt werden.
Für den Normalbürger stellt es sich dann so dar als ob ein anständiger Christ kein Fundament haben darf, von dem er niemals abweichen würde. Er gälte dann als engstirnig, starrköpfig, unsozial usw. Dieses Denken passt in die heutige Toleranzgesellschaft, wirkt aber dem klaren Bekenntnis entgegen.
Wir sollten so einfach reden, dass uns jeder versteht. Wenn man zu bestimmten Worten zuerst die von wem auch immer aufgestellten Definitionen lernen muss um an den Gesprächen teilnehmen zu können, wird es schwierig und wir erreichen mit unserem Zeugnis niemanden mehr.
Ich bin Christ und als solcher bin ich Fundamentalist, dabei bleibe ich. Und wer mit mir redet wird schnell erkennen, dass ich weit davon entfernt bin mich mit einer Bombe zu umgürten...
Herr Schirrmacher, bitte lesen Sie auch http://www.zeltmacher-nachrichten.eu/content/eine-falsche-definition-von...
www.chronologisches-bibelstudium.de
Sehr geehrter Herr Schirrmacher
Was in dieser Welt was für eine Bedeutung vor 32 Jahren hatte, dass kann heutzutage schon wieder Schnee von gestern sein. Eine Bibelquizfrage lautete: Ob Gott sein Wort dem Menschen diktiert hat und es für alle Zeiten und Kulturen unwandelbar und verbindlich oder ob Er
durch die Bibel dafür gesorgt hat, das wichtige Wahrheiten vermittelt werden. Herauszufinden, wie sie gerade in unsere Zeit hinein passen, wäre unsere Aufgabe.
Und hier haben wir einen Knackpunkt. Mitlerweile wird der Begriff Fundamentalisten auch auf Christen angewandt, die fest damit rechnen und auch wissen das Gottes Wort absolut unwandelbar und ein fester Maßstab seit tausenden von Jahren ist. Komplette Antwort hier.
So viel ich weiß - bitte um Korrektur fals ich falsch liege - wurde dieser Begriff auf Christen nicht von Muslime angewandt, sondern er kommt aus den eigenen Reihen. Eben auch von denen die in Führungspositionen sitzen und sich distanzieren wollen nach dem Motto:
"Wir sind liberaler und fortgeschrittener. Wir gehören nicht zu den engstirnigen Christen die die Bibel wörtlich nehmen." Und damit man nicht noch zugeben muss, dass es etliche Christen innerhalb der Evangelikalen gibt die "Schwarze Schafe sind", dafür gibt es ja die Fundamentalismusschublade. Apropos wörtlich.
In dem Lexikon der EZW (Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen) fand sich vor Jahren schon folgende Definition unter dem Begriff: „Christlicher Fundamentalismus“:
„Dem Fundamentalismus ist entgegenzuhalten: Er greift die religiöse Tradition nicht in ihrer Fülle auf, sondern auswählend und reduziert. Er verwechselt Gewissheit mit Sicherheit. Die Verlässlichkeit des göttlichen Wortes lässt sich nicht durch den Glauben an ihre wortwörtliche Inspiration sichern. Die Bibel wird missverstanden, wenn ihr Charakter als
Glaubenszeugnis verleugnet wird. In ihr lässt sich kein Vorrat unfehlbarer Fakten finden: zur Welterschaffung, zum Endzeitablauf, zur Strategie, Krankheiten schnell und wirksam zu heilen. Fundamentalistische Strömungen verleugnen christliche Freiheit und sind von Angst bestimmt."
Damit wird die Bibel auf Menschenwort runterreduziert.
Halten wir doch einmal dies fest und wenden uns einer Idea-Meldung vom 06.02.1010 zu (und so stehts auch in der Homepage der EAD), dass Evangelikalismus und Fundamentalismus unterschieden werden müssen (und hier geht es nicht um strengreligiöse Islamisten).
Ich zitiere einmal:
Nach seinen (Pfarrer Reinhard Hempelmann) Worten ist es unübersehbar, dass sich erwecklich geprägte Strömungen schnell und wirksam ausgebreitet haben. Ihre Ziele seien die Wiederentdeckung urchristlicher Mission und Gemeinschaftsbildung. Es zeige sich immer deutlicher, dass es sich dabei um ein dauerhaftes und wachsendes Phänomen handle. Für die evangelikale Bewegung charakteristisch seien die Bereitschaft zu radikaler Christusnachfolge, die Betonung einer persönlichen Glaubenserfahrung und eine ausgeprägte Bibelfrömmigkeit.
Hempelmann zufolge gibt es zahlreiche gemeinsame Anliegen zwischen Evangelikalen und Papst Benedikt XVI., etwa bei den Themen Ehe und Familie, Homosexualität, Lebensschutz sowie in der Christuszentriertheit der Predigten. Allerdings ließen sich unter dem Stichwort „evangelikal" sehr unterschiedliche Positionen zusammenfassen, so dass es schwer falle, von „den" Evangelikalen zu sprechen. So sei die Ausbreitung des evangelikalen Christentums auch von Schattenseiten bei einzelnen Gruppen begleitet. Solche fundamentalistische Bewegungen gewönnen ihre Identität vor allem durch die Abgrenzung von anderen. Mitunter seien auch ein überzogenes Machtbewusstsein, antiintellektuelle Affekte, Schwarz-Weiß-Denken, unrealistischer Wunderglaube und ein problematisches Verständnis von Leitung anzutreffen. Evangelikal geprägte Christen sollten sich stärker gegenüber solchen fundamentalistischen Tendenzen abgrenzen.
Ach ja, und hier kommen Sie ja auch darin vor:
Der Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), und..., begrüßten in einer gemeinsamen Stellungnahme Hempelmanns Ausführungen. Er habe fundiert und fair über die Evangelikalen berichtet, ohne Besorgniserregendes und Kritisches zu verschweigen. Hempelmann mache deutlich, dass man auch mit einem sehr konservativen Bibelverständnis tolerant und demokratiefreundlich sein könne.
Seit der Islamisierung des Iran 1979 bedeutet Fundamentalismus, anderen eine Wahrheit mit Gewalt aufzuzwingen und damit haben Christen nichts zu tun (siehe mein Buch 'Fundamentalismus').
Christen, die die Bibel als von Gott gehauchtes Wort nehmen wenden auch keine Gewalt an, werden aber trotzdem vermehrt als gefährliche Fanatiker und Fundamentalisten hingestellt.
http://www.haus-gemeinde.de
Definitionen und Begriffe
Dass "Fundamentalismus" nichts mit "Fundament" zu tun haben soll, scheint mir zumindest aus rein sprachlicher Sicht der breiten Öffentlichkeit (auch der christlichen) nur schwer vermittelbar. Das wäre ja fast so, als ob das "Christentum" auch nichts mehr mit uns "Christen" zu tun hätte (in Deutschland sicher möglich...).
Vielleicht ist es sinnvoll, die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs wieder zu erobern und sich dabei auch vom Islam - sprachlich wie inhaltlich - abzugrenzen? Mir erscheint das als guter Weg um den Menschen deutlich zu machen, dass wir auch heute noch an eine konkrete, festgeschriebene Wahrheit glauben und in diesem Sinne auch ein Fundament haben, von dem wir nicht weichen werden. Dass wir niemandem unseren Glauben aufzwingen werden ist dabei selbstverständlich Bestandteil des christlichen Fundaments.
Hempelmann u.a. definieren den Begriff übrigens wieder anders, über den 'Biblizismus' etc. Mir scheint, als wird der Begriff früher oder später völlig bedeutungslos oder schlimmer, nur noch als Angriffswaffe derer eingesetzt, die bestimmte Christen diffamieren und dabei über Inhalte auch nicht lange nachdenken wollen.
Gäbe es heute Christen, die anderen ihren Glauben aufzwingen wollen, könnte man sie der scheinbar gängigen Definition entsprechend als "Fundamentalisten" in diesem Sinne bezeichnen. Ich sehe aber keine, und doch taucht der Begriff auch immer wieder im Zusammenhang mit Christen oder christlichen Aktionen auf.
www.chronologisches-bibelstudium.de
Fundamentalismusdefinition
Das Problem ist nur, dass der Begriff nie etwas mit "Fundament" zu tun hatte und viele (auch biblische!) Begriffe führen in die Irre, wenn man sie von darin enthaltenen anderen Begriffen herleitet. Seit der Islamisierung des Iran 1979 bedeutet Fundamentalismus, anderen eine Wahrheit mit Gewalt aufzuzwingen und damit haben Christen nichts zu tun (siehe mein Buch 'Fundamentalismus').
Und was ist mit der
Und was ist mit der Unterscheidung zwischem einem Gott gewollten Fundamentalismus weil dieses Wort eben von Fundament -Jesus Christus ist unser Fundament- kommt und einem Fundamentalismus der mit dem eigentlichen Fundamentalismus nichts zu tun hat?
http://www.haus-gemeinde.de