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Der Sohn soll auf Klassenfahrt

Der Tag ist gekommen, es ist soweit. Heute wurde ich vorgeladen, von der Lehrerin meines Sohnes. Er ist in Klasse 2c und soll Ende des Jahres zusammen mit Klasse 2b für drei Tage auf Klassenfahrt, auf einen Bauernhof irgendwo im Sauerland. Zwischen Tür und Angel – unmittelbar vor dem Unterricht und zum Teil vor den Kids – durfte ich heute meine Gründe darlegen, warum ich meine Unterschrift nicht leiste und sie meinen Sohn doch bitte von der Liste streichen soll. Vielleicht wird der Leser meinen Argumenten nicht zustimmen wollen, aber die Antworten seitens der Lehrerschaft sind auf jeden Fall bemerkenswert und verdienen es, hier festgehalten zu werden. Freuen würde ich mich über eure Kommentare, was meint ihr zu dem Thema? Habt ihr Erfahrungen?

Zunächst einmal denke ich, dass Kinder – nicht nur unsere – mit 8 Jahren noch zu jung sind um in kritischen Situationen klug handeln und selbstständig urteilen zu können. Als Antwort bekam ich, dass ich wohl falsch liege und sie es als Lehrerin vielleicht sogar besser beurteilen könne. Ein Hammer, wie ich finde. Die Beamtin meint, die Kinder besser zu kennen als die eigenen Eltern.

Dann, zweitens, kenne ich diese eine Lehrerin aus nur einem Gespräch und die anderen gar nicht. Auch die meisten Kinder und ihre Familien kenne ich nicht. Soll ich Unbekannten nun mein Kind anvertrauen? Hinzu kommt, dass wir im sozialen Brennpunkt wohnen und so einige Schüler nicht gerade die beste Erziehung genießen, das ist jedem offensichtlich. Ein Einfluss also, vor dem ich mein Kind gerne bewahren möchte. Das seien harte Worte sagt sie und ich solle doch besser über meinen Schatten springen. Ich hätte zuviel Angst, mein Sohn hätte da keine Angst. Genau, denke ich, braucht er auch nicht denn er ist noch ein Kind und darf seinem Papa vertrauen.

Ich erzähle von meiner eigenen Kindheit. In der vierten Klasse bin ich gefahren und einige Mütter waren dabei. Die meisten Familien kannten sich untereinander. Heute wechseln die Lehrer und sagen selbst sie seien personell unterbesetzt. Falls etwas passiert, ist die Entschuldigung also schon griffbereit. Jedenfalls fahren die einen Schulen früher und die anderen später, so wichtig sei das gar nicht, sagt sie. Es gäbe sogar auch einige Kindergärten, die mit den Kindern über Nacht wegfahren. Soso. Was soll ich dazu sagen, was hättet ihr gesagt? Ich kam langsam an den Punkt, dass mein Mund trocken und die Atmung unruhiger wurde.

Also nenne ich ein Beispiel. Neulich war unser Sohn bei einem Freund nahe der Schule, draußen Fahrrad fahren. Andere Kinder kommen und bewerfen sie mit Steinen, einfach so aus Spaß. Er darf trotzdem wieder zu seinem Freund, ich will meinen Sohn ja nicht zu Hause einsperren. Bin ich also übermotiviert, liebe ich ihn zuviel, bin ich grundlos skeptisch? Oder sprechen solche und ähnliche Erfahrungen nicht dafür, dass ich einfach mal 'Nein' sage wenn ich meine es sei besser?

Wie auch immer, so versuchte ich es weiter, müsste sie meine Entscheidung doch respektieren denn ich sei doch der Vater, oder nicht? Nun, sie wisse nicht ob sie es respektieren soll und ich würde es mir zu einfach machen denn immerhin sei die Fahrt eine schulische Veranstaltung und es bestehe Schulpflicht. Warum, frage ich mich, soll ich für die Fahrt dann eigentlich noch eine "Anmeldung" unterschreiben?

Letztes Wochenende habe ich Herrn M. persönlich getroffen. Seit zwei Monaten wartet er auf Neuigkeiten, ob er nun tatsächlich inhaftiert wird oder nicht. Seine Anwältin meint, die vielen Reaktionen über die Medien haben vielleicht bewirkt, dass seine Entscheidung letztlich doch geduldet wird. In seinem Namen soll ich Euch für jede Anteilnahme, jeden Protest und jedes Gebet ein herzliches 'Danke' sagen.

Gerne gehe ich auch die zweite Meile, wenn mich jemand nötigt eine mit ihm zu gehen. Aber niemand kann von mir verlangen, meine Kinder auf eine zweifelhafte Reise zu schicken. Was denkt ihr - habt ihr Kinder?

 

Kommentare

Nachtrag zur Klassenfahrt

Die Klassenfahrt ist gewesen, unser Sohn ist nicht mitgefahren. Heute morgen gab es ein klärendes (und insgesamt positives) Gespräch mit der Schulleiterin, aus dem ich wenigstens einen wichtigen Punkt hier festhalten will:

Es steht den Eltern - auch aus offizieller, rechtlicher Sicht - tatsächlich frei, ob sie ihr Kind fahren lassen oder nicht. Bis heute morgen war mir das gar nicht bewusst, denn die Klassenlehrerin hatte direkt mit dem Holzhammer "Schulpflicht" argumentiert. Man bekommt ein Informationsschreiben über die Klassenfahrt mit dem Zusatz "Unterschreiben Sie hier:", ohne dass auch die entsprechende Alternative genannt wird.

Der Schulpflicht ist auch dann Genüge getan, wenn das Kind stattdessen in die Parallelklasse geht. Dürfen mehrere Kinder nicht mitfahren, muss die Fahrt eben ausfallen. Es steht der Schule wohl ebenso frei, eine Abwesenheit zu dulden. In unserem Fall hat es auch geholfen, mit konkreten Beispielen auf die soziale Situation hinzuweisen und der Schulpflicht die Aufsichtspflicht gegenüberzustellen. Am Ende schien es, als ob die Leiterin tatsächlich Verständnis für unsere Sorgen hat, auch wenn sie es nicht ausdrücklich sagen durfte.

Kommentarlos möchte ich noch drei Links festhalten, die mir in letzter Zeit sozusagen auf die Füße gefallen sind:

 

 

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"Man kann erst tolerieren, wenn man anderer Meinung ist." - D.A. Carson
 

Klassenfahrt

Lieber Rami,
als Mutter von 5 Kindern ( 42,39,28,26,20) habe ich über die Jahre einige Erfahrungen mit Klassenfahrten gemacht. Bei den Ältesten reichte noch eine schriftliche Erklärung aus Glaubensgründen. Heute sind unsere Kinder verstaatlicht. Die Rechte der Eltern stehen zwar auf dem Papier aber man muß das Recht auch bekommen. Da braucht man wirklich Nerven um die Sache auszusitzen und sich nicht bange machen zu lassen.
Hast Du etwas unterschrieben bei der Einschulung bezüglich aller außerschulischen Aktivitäten(die außerhalb des Unterrichtes stattfinden. z. B. Kinobesuch etc. Dazu gehört auch die Klassenfahrt. Mache das niemals.
Falls Du die Nerven verlierst und Dein Kind mitfährt unterschreibe niemals dass Du die Lehrer von der Aufsichtspflicht nach 22.00 Uhr (bei kleineren Kinder evtl früher) entbindest.
Ich sehe es mit den Klassenfahrten genauso wie Du.  Deine Sorge ist auch wirklich berechtigt.
Wichtig ist es zuerst einmal dass Dein Sohn sich vehement auf Deine Seite stellt und bekundet, dass er nicht mitfahren will. Tut er das nicht, hast Du verloren. Erhebe niemals vor anderen Einspruch z. B. beim Elternabend. Lasse ein zwei Tage vergehen und denke ganz sachlich darüber nach, mach Dir Notizen und dann rufe beim Lehrer an. Da bist Du dann gewappnet und der Lehrer hat keinen Zuspruch und Dir fällt niemand in den Rücken.
Schulsache ist Ländersache. Schaue mal in das Schulgesetz oder Schulrecht (weiß ich nicht mehr genau wie das heißt)  Ich komme aus NRW. Da steht eine Klausel über Wandertage und Übernachtungen. Da muss der Lehrer mit Dir reden ( frei ausgelegt) und Sinn und Ziel der Klassenfahrt darlegen. Wenn Du dann immer noch dagegen bist kan (muss) der Direktor die Genehmigung erteilen. Trete nicht rechthaberisch auf, sachlich ,freundlich und bestimmt. Nicht zwingend sondern zum Wohle des Kindes argumentieren und bitten. Glaube mir das ist ganz wichtig. Auch beim Schriftverkehr.
Bei Zeltmacher war mal ein Artikel "Es gibt noch gute Nachrichten" Da ist ein Urteil wegen eines Kinofilmes ergangen.LG Münster.Da ziemlich zum Schluß steht auch dass man das auch bei Klassenfahrten anwenden kann. Lies es Dir alles ganz in Ruhe durch.
Manche Eltern fahren ihre Kinder morgens hin und holen sie zum Schlafen wieder ab.
In einem Fall war den Eltern nicht ganz klar gesagt worden wie die Unterkunft ist. Da sind die Eltern mal hingefahren. Es waren Bungalows die nicht von den Lehrern beaufsichtigt wurden.Die Kinder wirtscafteten für sich selbst in 8er Gruppen.
Mein Sohn hätte einmal in der 10. Klasse Realschule mit dem Chemiekurs an einer Klassenfahrt teilnehmen dürfen. Es wäre seine 1. Klassenfahrt gewesen. Auf eine Insel und mit dem Laborschiff rausfahren Wasserproben nehmen und analysieren. Ich konnte da nichts schlimmes erkennen.
Mein Sohn wurde vier Wochen vorher ernst krank mit einer heftigen Angina. Dann ein Rückschlag.
2 Tage vor der Fahrt gab der Arzt dann doch noch grünes Licht. Das teilte ich dem Direktor mit. Die Klassenlehrerin rief mich an, dass sie die Verantwortung nicht übernehmen wollte. Sie bringen ihm ein Geschenk mit.,aber der Junge sollte Zuhause bleiben. Als die Jugendlichen von der Fahrt zurrück kamen erzählte mir mein Sohn folgendes: Da es ein kleiner Kurs war bekamen sie trotzdem ein großes Zimmer. Es waren mehrere Betten frei. Der Biokurs der Schule war mit dem Chemiekurs gefahren. Alles Mädchen. Ein Mädchen nahm ihre Tasche und quartierte sich im Jungenzimmer ein. Da wohnte sie dann während der ganzen Zeit. Die Chemielehrerin sah es, aber schritt nicht ein.
Mein Jüngster hat an der Kursfahrt nach Frankreich nicht teilgenommen. Ihm wurden verschiedene Dinge angedroht von der Direktorin. Viele Gespräche. Ein Schreiben nach Düsseldorf. Wir bekamen eine Absage.
Es wurde angeraten an der "wichtigen" Kursfahrt teilzunehmen. Mein Sohn hat es ausgesessen. Es hat aber ganz schön Nerven gekostet. Es kam auf der Kursfahrt nicht zu den so wichtigen Dingen. Es wurde viel Alkohol getrunken.Eine Lehrerin brachte ihren Alkohol gleich mit Da war noch ein überaus wichtiger Punkt, den ich öffentlich nicht benennen möchte. Betrunken kam es zu Beleidigungen zwischen Schülern und Lehrern. Danach wurden Kursfahrten im Ausland an dieser Schule verboten.
Für meinen Sohn hatte es aber keinerlei Folgen. Mein Sohn bekam eine Hausaufgabe. Das Thema konnte er im Abitur sehr gut anwenden.So war das bei uns.

Da fällt mir doch wieder ein...

Unser Sohn (6-einhalb) kommt jetzt auch in die Schule und das Kitajahr 2010/2011 war schon recht problematisch, als da drei Kinder waren von denen jedes den Chef spielen wollte und anfing die anderen Kinder auf seine Seite zu ziehen. Und wer nicht wollte, dem wurde eins auf den Kopf gegeben.
Schon damals fing ich mit meinem Sohn an Grenzen setzen zu lernen und sich Respekt zu holen. Und er soll wissen das er Alles seinen Eltern sagen darf und soll.
Unsere Kinder sind schließlich keine Lämmer die zur Schlachtbank geführt werden und die nach Lust und Dollerei gemobbt werden können.
Und wenn ich das lese was die Geschwister geschrieben haben, dann werde ich das Grenzen setzen noch weiter vertiefen und bin dankbar für die Beiträge.

Niemals der Lehrkraft trauen

Ein mir sehr gut bekannter Junge fing in der zweiten Klasse plötzlich an, wieder in die Hosen zu machen. Allerdings nur in der Schule. Naja, dachten wir, er ist so schüchtern, er traut sich vielleicht nicht zu sagen, dass er mal muss. Dann bekam er plötzlich Atembeschwerden. Der Arzt sagte, naja, das haben die Kinder manchmal, vielleicht hat er Stress in der Schule.
Die Mutter sprach mit der Lehrerin, doch die sagte, es wäre alles normal mit dem Kind. Es hätte ja gute Noten und sie würde es bestimmt merken, wenn er Probleme mit anderen Kindern hätte.Sie ließ auch durchblicken, dass aus Ihrer Sicht das eigentliche Problem meistens die Mütter seien.
Die Eltern des Jungen versuchten alles, um herauszufinden, wo den sein Problem läge.Die Mutter begleitete ihn einige Male in die Schule und holte ihn ab, aber darauf hin wurde sie von der Lehrkraft ermahnt, dass sie das bitte unterlassen soll, schließlich würde sie damit dem Kind nur schaden. Das machte uns sehr betroffen.
Doch irgendwann erzählte plötzlich ein Mädchen, das dieser Junge nicht nur von anderen Kindern regelmäßig verprügelt würde sondern auch sexuell belästigt. Was sie erzählte, lies uns den Kinnladen runterfallen. Es war so pervers....ich werde es nicht niederschreiben.Erst glaubten wir ihr gar nicht, aber dann stellte sich heraus, dass es eben doch stimmte.Es gab noch andere Opfer, die sich aber besser zu wehren wussten.
Die Lehrerin meinte dazu nur, na, wenn man ihr nichts sagt, woher solle sie denn dann wissen, das da was schief läuft.
Der kleine Junge hat niemals auch nur einen Pieps daheim erzählt. Keine Ahnung warum.Auch als es rauskam, zog er sich nur zurück... es war so furchtbar.
Seine Mutter wurde fortan von der Lehrerschaft gemieden und als nicht ganz zurechnungsfähig hingestellt.
Obwohl sie in der Schule mit niemanden darüber gesprochen hatte, als nur mit der Lehrerin. Auch nicht mit anderen Eltern.Wir gingen dann alle auf die Knie und baten Gott um Hilfe.Und Gott schuf einen Weg, das Kind aus der Schule zu holen und Hausunterricht machen zu können.

Das war schon vor mehreren Jahren, in einer Landschule ohne sozialen Brennpunkt.

 

 

Danke ub. Auf einer Freizeit

Danke ub.

Auf einer Freizeit habe ich vor einigen Jahren mal eine junge Frau kennengelernt die mir im Vertrauen erzählt hat, dass sie auf einer Klassenfahrt von zwei Mitschülern vergewaltigt wurde. Zu dem Zeitpunkt war sie sogar schon jugendlich also älter als 12, etwa 16 vielleicht ich weiß nicht mehr genau.

Je länger ich darüber nachdenke desto fragwürdiger finde ich den Zwang, mit Menschen auf eine Fahrt gehen zu müssen, mit denen man freiwillig eher wenig Zeit verbringen würde. Selbst wenn unser Junge also "reif" genug ist mag er doch selbst zu dem Ergebnis kommen, dass er viel besser zu Hause bleibt.

Und gestern hatte ich wieder ein Gespräch in dem mir von Christen erzählt wurde, die nach Dänemark gezogen sind um dort an der Grenze zu Deutschland Heimunterricht zu geben. Langsam realisiere ich, in welchem Land wir eigentlich leben. Plötzlich ist man mittendrin im Konflikt und macht sich seine Gedanken.

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"Man kann erst tolerieren, wenn man anderer Meinung ist." - D.A. Carson
 

Hallo Rami, ein mir gut

Hallo Rami,

ein mir gut bekanntes Ehepaar hat sich ebenfalls gegen eine Teilnahme ihres 12 Jährigen Mädchens entschieden.
Hinterher stellte es sich heraus, wie gut die Entscheidung war.
Es kam sogar hier in der Zeitung - die Klassenfahrt war ein einziger Ort von sexueller und alkoholmäßiger Ausschweifung. Ein Junge wurde danach der Schule verwiesen, so heftig.

Ich würde auch bei Deiner Entscheidung bleiben.

Gründe

Hallo Rami,

meines Wissens nehmen Zeugen Jehovas generell nicht an Klassenfahrten teil. Es gibt also durchaus Begründungen für eine Weigerung, die akzeptiert und anerkannt werden. Wie gesagt, der Schulpflicht muß dann auf anderer Weise Genüge getan werden, aber dies sollte kein Problem darstellen.

Nicht mitfahren lassen

Der Jung ist eben noch zu jung.
Irgendwo im Sauerland wäre mir auch zu weit.
Und dann denke ich auch an die eigenen Erlebnisse die jahrzehnte zurück liegen. Der Rambazamba ging dann richtig los als die Lehrer im Bett lagen. Dann wurden etlich nämlich aktiv die darauf gewartetet hatten das die Lehrer eingeschlafen sind.
Für mich gehen Klassenfahrten erst ab der 6.Klasse los.

Vielen Dank

...für die Kommentare.

Ich dachte, nachdem ich eine Nacht geschlafen habe würde es mir besser gehen. Irgendwie ist mir aber heute morgen immer noch unwohl.

Es war die Arroganz der Lehrerin die mich wirklich umgehauen hat. Sie hat mir einfach zu verstehen gegeben, dass sie es besser wüsste und die Schule wohl die höhere Instanz sei. Alles in allem grenzt das für mich an Kindesentführung zu sagen, sie müssen drei Tage fahren und fertig.

Natürlich will man in solch einer Situation dann ruhig und sachlich bleiben und sich niemanden zum Feind machen. Wenn aber wie gestern zwei Welten aufeinandertreffen sieht man kaum einen anderen Weg als Durchsetzungsvermögen. Am Ende sind wir dann zwar ohne Handschlag aber mit einem Lächeln auseinandergegangen, immerhin.

Von einer Mutter wissen wir, dass sie ihr Kind auch nicht mitfahren lassen möchte aber um des Friedens willen hat der Vater unterschrieben. Die anderen haben wohl keine Probleme. Die meisten kommen aus einer anderen Kultur. Wir sehen häufig kleine Kinder, die noch spät abends als Gruppe oder sogar alleine durch die Straßen ziehen. Auch aus moralischer Sicht haben ihre Eltern wohl weniger Sorge.

Unser Sohn wollte natürlich dabei sein aber nachdem ich ihm erklärt habe wie wir denken versteht er nun und will auch nicht mehr. Auf jeden Fall versteht er unsere Argumente wesentlich besser als die Lehrerin. Wir lieben ihn, er ist uns nicht egal und wir können ihn nicht einfach abgeben.

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"Man kann erst tolerieren, wenn man anderer Meinung ist." - D.A. Carson
 

Gute Entscheidung

Guten Abend Rami,

möchte hier einige Erfahrungen weiter geben, die ich mit Klassenfahrten gemacht habe. Zunächst muss man feststellen, dass Klassenfahrten an sich nicht nur schlecht sind! Man muss aber auch sagen, dass Klassenfahrten schon lange nicht mehr das sind, was sie eigentlich sein sollten. Vor einigen Jahren fuhr mein jüngster Bruder mit der Klasse auf Klassenfahrt. An einem Abend lief das Ganze derart aus dem Ruder, dass von 2 Betreuungspersonen eine mit vielen Schülern betrunken durchs Haus zogen. Natürlich sind das Ausnahmen, jedoch gibt es leider öfter denn je Ausnahmen, die bestätigen, dass Betreuer selber nur Menschen sind und eine 20 - 30 köpfige Schülerschar nicht immer im Auge behalten können. Wer Kinder hat, weiß, dass es bereits bei 2-5 Kindern schon sehr schwierig ist immer und überall die Kinder im Auge zu behalten. Und wer Kinder hat, weiß auch, dass Kinder wie ausgewechselt sind, sobald ihre Eltern nicht in Reichweite sind.

Bevor meine Kinder einen Schaden davon tragen, fahren sie lieber nicht mit. Ich bin lieber zu vorsichtig, als zu fahrlässig! Es geht schließlich um das Wohl MEINER Kinder! Ich bin dann aber eher der Typ, der versuchen würde diplomatisch vorzugehen und nach Lösungen zu suchen (vielleicht wäre ich sogar bereit mal als Betreuer mitzufahren, vielleicht kann das Kind in einer anderen Klasse untergebracht werden, ...)

Im Zweifel entscheide ich mich für das Wohl des Kindes und gegen die zweifelhaften Interessen des Staates!

Gottes Segen weiterhin und viel Kraft und Gottes Segen bei der Lösungsfindung
A. Ped

Als Mutter von zwei Kindern

Als Mutter von zwei Kindern und nunmehr Oma eines Enkels kann ich Dir, Rami, nur sagen: Bleibe bei Deiner Entscheidung Deinen Sohn nicht mitfahren zu lassen. Gleich, was die Lehrerin oder andere davon halten mögen. Du hast die Verantwortung für Dein Kind letztendlich. Und nicht jedes Kind ist mit 8 Jahren schon so "reif" um mehrere Tage ohne Mama und Papa und weg von Zuhause zu sein.

Meine Kinder hätte ich in diesem Alter niemals an so einer mehrtägigen Klassenfahrt teilnehmen lassen. Schule hin, Schule her.

-- Die Welt ist ein viel zu schlechter - und viel zu unsicherer - Ort, um sich häuslich darin einzurichten und dabei auch noch froh zu werden. Aber sie ist ein phantastischer Ort, um Gott zu suchen. (Lawrence J. Crabb)

Als meine Kinder so alt

Als meine Kinder so alt waren, ist meine Frau als Betreuungsperson mitgefahren, das hat das Problem etwas entschärft.
Die Argumentation mit der Schulpflicht ist schwach. Denn das notwendige Gegenstück der Schulpflicht ist die Lernmittelfreiheit. Wer Einfluß auf die Kinder nimmt, muß auch für die Kosten selbst aufkommen. Bei Klassenfahrten sollen aber die Eltern (mitunter recht erheblich) dafür zahlen, daß ihre Kinder ihrem Einfluß entzogen werden. Für Schulpflichtskeptiker ist das vom Prinzip her ein bißchen so wie in China, wo den Angehörigen von Hingerichteten auch noch die Kosten der Hinrichtung in Rechnung gestellt werden.
Natürlich ist das nicht in erster Linie eine wirtschaftliche Frage, aber man kann damit argumentieren, daß die Klassenfahrt, da sie nicht frei ist, aus der Systematik der Schulpflicht herausfällt. Man könnte das Schulpflichtargument also insofern aufgreifen, als man darauf hinweist, daß die Kinder ja nicht freiwillig in der Schule seien, sondern nur wegen der strafbewehrten Pflicht und daß es deshalb nicht angehe, die Eltern hierfür auch noch zur Kasse zu bitten.
Wichtig ist: Es werden in den nächsten Jahren noch viele, viele Probleme in dieser Art auftreten, deshalb kommt es darauf an, langfristig zu denken, nicht den Lehrer als Feind zu sehen und sich den Lehrer auch wenn irgend möglich nicht zum Feind zu machen. Also: Emotionen wegdrücken und freundlich, aber bestimmt verhandeln.

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Geiers Notizen

Klassenfahrt

Hallo Rami,

also bisher ging ich davon aus, daß Klassenfahrten freiwillig sind, ansonsten macht eine Zustimmung auch keinen Sinn. Am besten erkundigst du dich direkt bei der Kultusbehörde deines Bundeslandes.
Verweigerst du die Zustimmung, gäbe es nach meinem Kenntnisstand hinsichtlich Versicherung und Bezahlung einige juristische Probleme für die Schule. Die Schulpflicht besteht zwar weiterhin, aber Kinder, die an Klassenfahrten nicht teilnehmen, werden dann für diese Zeit in Parallelklassen aufgenommen oder anderweitig mit schulischen Pflichten betreut.
Frage auch mal nach der Anzahl der Betreuungspersonen und welche Erfahrung bzw. Qualifikationen bestehen, solche Fahrten durchzuführen. Laß dir die Details bis ins Kleinste erklären, damit du über nichts im Unklaren bleibst. Gibt es noch mehr Kinder, die nicht teilnehmen werden oder wollen?

Also Kinder habe ich selber keine, zum Glück nicht möchte ich an dieser Stelle sagen. Gründe für eine Kindverweigerung gäbe es einige und die Aussicht es später in eine 'Lehranstalt' schicken zu müssen, wäre sicherlich eine davon. Als Schüler habe ich Klassenfahrten gehasst und bin nicht immer mitgefahren (durfte man selber entscheiden) und wenn ich dabei war, hat es mich meist angeödet. Aber das ist eine ganz individuelle Erfahrung und sicherlich hat es vielen auch Spaß gemacht. Wie denkt dein Sohn darüber? Würde er gerne mitfahren?


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