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Brief an Ulrich Parzany zum Brief an den Papst

 

Sehr geehrter, lieber Bruder Parzany,

nachdem Sie Ihre Wünsche dem Papst geschrieben haben, möchte ich Ihnen mitteilen, was mich beim Lesen Ihrer Zeilen bewegte.

Wie Sie wissen ist der wichtigste Lehrunterschied des Katholizismus zur Bibel nicht die Irrlehre der Marienverehrung oder des Papsttums, sondern die Rechtfertigungsfrage. Die katholische Kirche hat nicht nur die reformatorisch-biblische Lehre der Rechfertigung durch das Konzil von Trient unter den Fluch getan, was bis heute gilt. Sie füllt auch die Begriffe von "Glauben", "Gnade", "Jesus aufnehmen", mit einem anderen Inhalt als die Heilige Schrift. Wie können Sie angesichts dieser unüberbrückbaren Gegensätze einfach Ihre Abgrenzung fallen lassen?

Es verwundert mich ausserdem, wie Sie den Papst mit "lieber Bruder Benedikt" anreden können. Darf ich Sie fragen, was für Sie der Bruderbegriff bedeutet? Kardinal Josef Ratzinger war vor seiner Ernennung zum Papst die katholische Glaubenskongregation unterstellt, die Institution innerhalb der Kirche, welche bis heute über den Lehrgrundsätzen und damit auch über der Ablehnung der biblischen Rechtfertigungslehre wacht. Wie kann eine Person, welche die Rechtfertigung allein durch den Glauben, allein aus Gnaden, allein durch Christus ablehnt, als Bruder bezeichnet werden? Wie Ihnen nicht unbekannt sein dürfte benannten die Reformatoren den Papst deshalb mit einem anderen Titel. Europa war auch zur Zeit der Reformation unter starkem Druck und durchlebte turbulente Zeiten.

Die Islamisierung stand scheinbar unmittelbar vor der Tür. Und trotzdem liess sich Luther dadurch keinen Sand in die Augen streuen, um gemeinsam mit dem Papst den christlichen Glauben zu verteidigen oder zu evangelisieren. Der äussere Druck auf ganz verschiedenen Ebenen verleitete ihn nicht dazu, seine aus der Bibel gewachsene Abgrenzung über Bord zu werfen oder in seiner reformatorischen Klarheit nachzulassen. Ich möchte Sie daran erinnern, dass Ihr geistlicher Vater Wilhelm Busch die biblische Lehre der Heilsgewissheit als "die köstliche Perle evangelischen Glaubens" bezeichnete, eine Lehre die im Zusammenhang mit der Rechtfertigung bis heute durch Rom verworfen wird. Mit Ihren Zeilen haben Sie diese Perle leichtfertig aus der Hand gegeben.

An Ihrem Motiv, das Evangelium zu fördern, möchte ich nicht zweifeln. Auch Ihren ernst gemeinten Aufruf an den EKD-Vorsitzenden Präses Nikolaus Schneider habe ich erfreut zur Kenntnis genommen. Trotzdem sind Ihre Zeilen an den Papst, wenn Sie dies auch nicht beabsichtigen, im letzten Grund ein Verrat der Reformation und, was noch gravierender ist, ein Verrat am Evangelium. Ich bitte Sie inständig, dies zu überdenken.

Es grüsst Sie,
Ihr J. Pflaum

 

Beiträge zum Thema:

Kommentare

Andererseits...

...steht weiterhin im katholischen Katechismus:

§ 1949 Zur Seligkeit berufen, aber durch die Sünde verwundet, bedarf der Mensch des Heiles Gottes. Die göttliche Hilfe wird ihm in Christus durch das Gesetz, das ihn leitet, und in der Gnade, die ihn stärkt, zuteil.

Das Gesetz leitet uns zu Christus, und nur insofern auch zum Heil.

§ 1993 Die Rechtfertigung begründet ein Zusammenwirken zwischen der Gnade Gottes und der Freiheit des Menschen. Sie äußert sich dadurch, daß der Mensch dem Wort Gottes, das ihn zur Umkehr auffordert, gläubig zustimmt und in der Liebe mit der Anregung des Heiligen Geistes zusammenwirkt, der unserer Zustimmung zuvorkommt und sie trägt.

Dieses Zusammenwirken (Synergismus) steht im Widerspruch zum Monergismus, der Rettung aus Gnade allein. Das ist soweit ich das verstanden habe der Kern der Auseinandersetzung, an dem sich nichts geändert hat, der aber leider immer mehr aus dem Blickfeld gerät.

Hier der Link zum Katechismus und ein Link zum Thema.

Rechtfertigungslehre trennt nicht mehr

Hallo Herr Pflaum,

dieses Statement und besonders der Satz: "Wie kann eine Person, welche die Rechtfertigung allein durch den Glauben, allein aus Gnaden, allein durch Christus ablehnt, als Bruder bezeichnet werden? Wie Ihnen nicht unbekannt sein dürfte benannten die Reformatoren den Papst deshalb mit einem anderen Titel." scheinen mir zumindest etwas sehr undifferenziert und nicht dem aktuellen Diskussionsstand zu entsprechen. Lutheraner und Katholiken haben 1999 gemeinsam zum Thema "Rechtfertigung aus Glauben" festgestellt: „Die in dieser Erklärung vorgelegte Lehre der lutherischen Kirchen wird nicht von den Verurteilungen des Trienter Konzils getroffen. Die Verwerfungen der lutherischen Bekenntnisschriften treffen nicht die in dieser Erklärung vorgelegte Lehre der römisch-katholischen Kirche.“ Die trennenden Unterschiede liegen eben nicht in der Rechtfertigungslehre. Das sollte schon Bedacht werden.

Viele Grüße
Stefan