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Abtreibung: Das falsche Geschlecht

Indikation «Mädchen», Therapie «Abtreibung»: Die Abtreibung aufgrund des «falschen Geschlechts» (Genderzid) hat auch Kanada erreicht. Jüngste Erhebungen zeigen, dass Immigrantinnen aus Indien, China und Korea unverhältnismäs­sig mehr Buben gebären als Mädchen.

Das ­berichtet das Wiener «Institut für medizinische Anthropologie» (IMABE) und bezieht sich dabei auf Informationen des Canadian Medical Association Journal (CMAJ). Diese Abtreibungen aufgrund des unerwünschten Geschlechts des erwarteten Kindes sind nicht von der sozialen Lage der Eltern abhängig. Sie treten ebenso in gut integrierten Familien auf, die finanziell abgesichert sind.

Dessen Chefredakteur Rajendra Kale, ein gebürtiger Inder, zeigte sich alarmiert: «Soll man etwa den Fetozid weiblicher Föten in Kanada einfach als unbedeutend abtun, weil es sich ‹nur› um ein kleines Problem innerhalb einer ethnischen Minorität handelt? Nein. Auch ‹einige Wenige› können nicht ignoriert werden, wenn es sich um eine Diskriminierung der Frau in ihrer extremen Ausformung handelt.»

Die Autoren im CMAJ fordern Massnahmen zur Begrenzung geschlechtsselektiver Abtreibung. Ein Vorschlag lautet, die Information über das Geschlecht des Babys – soweit medizinisch irrelevant – bis zur 30. Schwangerschaftswoche zurückzuhalten. Dies stiess prompt auf Kritik: Tests zur Bestimmung des Geschlechts des Ungeborenen seien längst im Handel erhältlich und könnten zu Hause durchgeführt werden. Und ausserdem: Wie könne nach geltender Rechtslage ein Arzt eine Abtreibung verweigern, selbst wenn er die wahren Beweggründe der Mutter ahnt, ohne sich dabei rechtlich die Finger zu verbrennen?

Lauren Vogel, die Autorin des Artikels, schrieb, die Selektion nach Geschlecht sei eigentlich nur «die Spitze des Eisberges». Beide Seiten, Pro Life- und Pro Choice-Unterstützer, bezeichnen den kanadischen Vorschlag als unlogisch: Warum sollten Ärzte von der Tötung eines weiblichen Babys abraten, ­zugleich aber die Abtreibung von Down-Syndrom-Föten hinnehmen?

Der Genderzid ist weltweit als Problem erkannt worden, so etwa im Europarat und von der Welt­gesundheitsorganisation. Auch in Europa, etwa in Norwegen und Grossbritannien, gibt es bei Einwanderern aus asiatischen Kulturkreisen – vor allem beim zweiten oder dritten Kind – eine erkennbar bubenlastige Geburtenquote, was als typisches Indiz für eine vorgeburtliche Geschlechtsauswahl gilt. In ­Schweden ist seit 2009 die geschlechtsselektive Abtreibung ­erlaubt.


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factum 03/2012.


BILD: Helene Souza / pixelio.de

 

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